Donnerstag, 30. September 2010

Wein in Handtaschen



Wie haltet Ihr das? Nehmt Ihr angetrunkene, nicht geleerte Flaschen im Restaurant mit nach Hause?


Ich gebe zu, für mich war das bis vor gut fünf Jahren undenkbar. Ich habe es nie beobachtet, ich habe nie darüber nachgedacht, wir haben die Weine einfach ausgetrunken (da wir Flaschen im Restaurant eher im Urlaub leeren, der Herr der Cucina den Fahrerpart übernahm, war ich meist am Nachmittag die Lustigere) oder stehen lassen. Aber eine zweite Flasche bestellten wir natürlich nie.

Bei einem Geschäftsessen mit einem Schweizer und einer Italienerin (die auch noch Tochter einer sehr bekannten italienischen Winzerfamilie ist und wir unter einander immer mal wieder Wein- und Grappa-Flaschen austauschten - wir hatten den gleichen „großen“ Handtaschen-Geschmack und so lief der Tausch problemlos ab) bestellten wir passend zu den Gängen Wein, die wir alle antranken, aber eben nicht leerten – ein Geschäftsmittagessen eben.
Am Ende ließen die beiden die Weine wieder verkorken und einpacken. Auf meine Nachfrage erzählten sie mir, dass dies in Italien und der Schweiz üblich wäre. Ich fand das einfach nur gut und ärgerte mich, dass ich auf diese Idee nie gekommen war, schließlich hat man für die Weine ja bezahlt.

Wein Sackerl

Seitdem praktizieren wir das. In Deutschland manchmal von einem Stirnrunzeln der Kellner begleitet, in Italien immer mit absoluter Freundlichkeit ausgeführt.
Beim Besuch des Restaurants La Rocca (Bericht folgt bald) in San Leo bekamen wir nicht nur den gewünschten Korken sondern auch gleich ein „Sackerl“ dazu, obwohl die Flasche gut in die Handtasche gepasst hätte :-) .

Wußtet Ihr das? Macht Ihr das? Wie haltet Ihr das?

Kommentare:

lamiacucina hat gesagt…

das ist hier seit der Verschärfung der Promillegrenzen Usus. Ich mache das auch, weil Frau L. praktisch nichts mehr trinkt. Die Alternative, Flaschenweine im Offenausschank, ist mir oft überteuert.

Bolli's Kitchen hat gesagt…

in Frankreich kannst Du soviel Wein aus der Flasche trinken wie Du willst, nachher schauen die dann, was Du getrunken hast et voilà.
JN und ich trinken aber eh immer eine Flasche, da bleibt nichts zum Mitnehmen.....

Helga hat gesagt…

Ja, hab ich schon gemacht (2 mal) - bin mir aber komisch dabei vorgekommen. Die Geschichten dazu sollte ich bei Gelegenheit mal erzählen...

Chris hat gesagt…

Dazu kam es bei mir noch nie. Zu Zweit (beide ohne Auto) gibt es immer eine Flasche, die auch geleert wird. Bin ich alleine,dann gibt es ein Glas, oder ein Viertel.

daniela hat gesagt…

Mir gehts da wie Bolli, bei uns bleibt nie was in der Flasche übrig. :)
Hast du das Gefühl, dass in D die Stirn gerunzelt wird, weil sie verwundert sind oder weil es ihnen gegen den Strich geht? Was macht man in Restaurants eigentlich mit solchen Flaschen - glasweise weiter ausschenken, zum Kochen verwenden, selbst trinken? Wär interessant.

Nathalie hat gesagt…

@lamiacucina
Flaschenweine im Offenausschank sind auch hier oft überteuert - in Italien geht das aber gut.

@Bolli, Chris, Daniela
Aber was macht Ihr, wenn Ihr zwei verschiedene Weine zu mehreren Gängen trinken wollt?
Auf Gläser zurückgreifen?

@Helga
Und so entsteht ein neuer Blogeintrag! :-)

Michi hat gesagt…

In der Schweiz hab ich sowas auch noch nie gesehen. Wobei bei uns die Flasche auch immer leer wird :)

Norma hat gesagt…

Aber runzeln die Kellner vielleicht deshalb die Stirn, weil ihnen eine solche Frage bisher nicht untergekommen ist und sie überlegen, wie sie den Auftrag am besten ausführen (und das Runzeln ist nicht als Kritik gedacht?)

Gehe ich selbst essen, habe ich manchmal den Eindruck, dass man die guten Herren und Damen des Sevices hin und wieder ein bisschen aus der Routine reißen muss. Hat man ihnen erst einmal nett aber bestimmt vermittelt, dass man als Gast anspruchsvoll ist, kommen sie oft aus sich heraus und bieten guten, individuellen Service.

Barmänner von Cocktailbars können beispielsweise recht arrogant sein (je teurer die Bar, desto arroganter der Barmann ...). Das kontere ich gerne mit einer Cocktailbestellung, die nicht auf der Karte steht. (Mein Cocktail steht auch einfach oft nicht auf der Karte.) Und Schwupp-Diwupp: Schon weiß der Barmann, da sitzen keine Nullachtfünfzehn-Gäste. Sein Routine wird durchbrochen und er hat plötzlich Freude an seiner Arbeit. (Manchmal kann man das sogar deutlich am Wechsel der Mimik erkennen.)

Anonym hat gesagt…

Das mache ich eigentlich immer, wenn ich außerhalb, z.B. nach einer einsamen Bergwanderung. gut esse und anschließend mit dem Auto zurückfahren muss. Ich bin keine Biertrinkerin und zu einem guten Essen gehört für mich ein guter Wein, den es meist nur flaschenweise und nicht im Offenausschank gibt. Zurückgekehrt kann man das eine oder andere Glas noch genießen.
Ich bin noch nie auf Stirnrunzeln, Missfallen oder dergleichen gestoßen, wenn ich bei der Bestellung der Flasche gleich bemerke, dass ich später den Rest in der Flasche mitnehme. Ganz im Gegenteil: Erleichterung beim Servicepersonal, dass ich nicht nach dem Genuss einer ganzen Flasche noch Auto fahren will.
Aber auch in München haben wir das schon so ohne jegliche Probleme gehandhabt, wenn wir z.B. die zweite Flasche nicht ganz schafften und eine Alternative aus den offenen Weinen nicht in Frage kam.

Claudia

Hande hat gesagt…

Wir sind selten in der Verlegenheit, essen & trinken und dann fahren zu müssen (alles fußläufig oder mit öffentlichen) und gute trinker, also passiert es uns selten, aber in Italien ist es tatsächlich relativ üblich. Aber nicht weil die Italiener aufs promille achten würden (unsere freunde, die bei uns 2 flaschen - pro kopf - wein trinken und dann nach hause fahren!). AIS, die italiensiche sommelier vereinigung versucht es gerade auch wegen der promille zu pushen und hat eine kampagne gestartet (http://www.sommelier.it/archivio.asp?ID_Categoria=1&ID_Articolo=1932), wo man auch eine schöne tasche dazu kriegt.

Anie hat gesagt…

Bei uns ist es auch meist so, dass wir zu Zweit ganz locker eine Flasche Wein zum Essen schaffen und so, selbst in Italien, nicht in die Verlegenheit kamen, die Flasche mitzunehmen. In Deutschland sollte man es sich überlegen. Denn im offenen Ausschank wird häufig der Wein immer gruseliger je weiter man in den Norden vordringt. Leider.

Ursula hat gesagt…

Das habe ich noch nie gesehen und auch noch nie gemacht. Aber glücklicherweise gibt es bei uns gute Weine im Offenausschank.
Wenn wir zu zweit essen gehen arrangieren wir uns mit der Sorte bzw. dem Weingut und die Flasche wird geleert.

Gabi hat gesagt…

Das scheint aber nur in Italien so zu sein, dass die Kellner darauf nett reagieren :-) In der Nachbarstadt beim Italiener bekamen wir auf die Frage, ob wir den Rest-Wein mitnehmen dürften, gesagt, "dann hätten Sie eben Gläser bestellen müssen"... Ohne Worte...

Knitting-twitter hat gesagt…

guten Morgen, ich wohne in der Schweiz und wir machen das eigentlich immer.
Das, dass aber gerne gesehen wird in der Schweiz, kann ich nu wirklich nicht behaupten. Auf dämliche Fragen reagiere ich dann meistens mit der Antwort, ok, dann geben sie mir den Rest Geldes für den Wein zurück und das wirkt immer.
Es passiert aber auch, dass der oder die Kellnerin von alleine sagt, sie haben eine teure Flasche Wein bestellt, soll ich den Rest verkorken?
liebe Grüsse, Christa

Dinkelhexe hat gesagt…

Tolle Idee mit der Flaschen-Tasche

Julia hat gesagt…

Ich liebe diese Flaschen-Tasche! Das nenne ich mal Stil! :)
Das einzige Mal, dass wir eine Flasche verkorkt mit nach Hause genommen haben, war, als uns der Spanier bei unserem ersten, sehr romantischen, Zeit vergessenden Date gegen 1h rausgeschmissen hat. Er bot uns dann an, die angebrochene Flasche mitzugeben, damit wir endlich gehen und uns anderswo tief in die Augen gucken :) Heute sind wir 5 Jahre verheiratet - funktioniert also, das mit dem Flasche-Mitnehmen :-D

Norma hat gesagt…

@Gabi
Dem Kellner hätte ich den Rest in der Flasche vor die Füße gekippt ...

Schnick Schnack Schnuck hat gesagt…

In Frankreich gibt es glücklicherweise auch immer eine gute Auswahl an demi-bouteilles und ehrlich, gerade bei leichteren Mittagessen kann ich mir das gut vorstellen, angebrochene Flaschen mit nach Hause zu nehmen, wenn sie so dezent verpackt sind.